
Zwischen Elisenau und Emilienhof: Eine kleine Reise in die Geschichte des Barnims.
Wer mit offenen Augen durch den Barnim fährt, entdeckt immer wieder Ortsnamen, die auf den ersten Blick gar nicht so märkisch wirken. Elisenau, Sophienstädt, Helenenau oder Emilienhof und fast alle tragen einen Frauennamen. Zufall? Ganz und gar nicht.
Im 18. und besonders im 19. Jahrhundert entstanden im Barnim zahlreiche neue Vorwerke, Gutshöfe und kleine Siedlungen.
Wenn ein Gut neu angelegt oder aus einem bestehenden Dorf herausgelöst wurde, bekam es häufig einen eigenen Namen. Und dabei griffen viele Gutsbesitzer zu einer sehr persönlichen Idee:
Sie benannten den neuen Ort nach ihrer Ehefrau, Tochter oder einer anderen weiblichen Angehörigen. So entstand vermutlich Elisenau, das 1825 erstmals erwähnt wird. Der Name geht wahrscheinlich auf eine Elise oder Elisabeth aus der Familie von Goldbeck zurück. Das Gut wurde damals aus dem Dorf Börnicke herausgelöst und entwickelte sich später zu einem Wohnplatz von Blumberg.
Ganz ähnlich verhält es sich mit Emilienhof. Auch dieser Name taucht Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals auf. Der Gutshof erhielt seinen Namen vermutlich nach einer Emilie und gehörte später zur Gemeinde Wandlitz.
Auch Sophienstädt erinnert mit seinem Namen an diese Tradition.
Viele solcher Ortsgründungen waren eng mit der Entwicklung der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft oder neuer Gutshöfe verbunden.
Ein neuer Besitz erhielt einen neuen Namen … und dieser war oft eine kleine Liebeserklärung oder eine Ehrung innerhalb der Familie. Das war übrigens keineswegs eine Besonderheit des Barnims.
Überall in Preußen entstanden in dieser Zeit Orte mit Namen wie Charlottenhof, Luisenhof, Marienfelde oder Helenenau. Der Barnim besitzt jedoch besonders viele Beispiele, die sich bis heute erhalten haben. Spannend ist außerdem, dass viele dieser Orte heute gar keine eigenständigen Gemeinden mehr sind. Elisenau gehört inzwischen zu Blumberg, Emilienhof zu Wandlitz (Kirchstraße).
Andere ehemalige Vorwerke und Gutshöfe wurden längst in größere Orte eingegliedert.
Ihre Namen erzählen aber noch immer von den Menschen, die sie einst gründeten. Wer historische Ortsverzeichnisse durchblättert, entdeckt neben Frauennamen noch viele weitere Besonderheiten. Orte wie Eiserbude, Eisenhammer oder Holländische Papiermühle erinnern daran, dass der Barnim über Jahrhunderte nicht nur von Bauern geprägt wurde.
Hier arbeiteten Teerschweler, Papiermacher, Schmiede, Waldarbeiter und Müller.
Viele kleine Siedlungen entstanden direkt an ihrem Arbeitsplatz und entwickelten sich später zu Ortsteilen oder verschwanden wieder von der Landkarte. Gerade diese Geschichten machen den Barnim so spannend. Hinter einem scheinbar gewöhnlichen Ortsnamen verbirgt sich oft ein Stück Familiengeschichte, Wirtschaftsgeschichte oder sogar eine kleine Liebesgeschichte.
Beim nächsten Ausflug lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Ortsschilder. Manchmal erzählen sie viel mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.
Barnim auf zwei Rädern erleben
Geschichten, die geblieben sind. Orte, die du heute noch erleben kannst.
Bis zur nächsten kleinen Auszeit vor der Haustür.
Deine Silke und Bienchen
Beitragsbild ist mt Canva generiert.
Foto: Silke Maier